Energiewende: Gesteckte Ziele einiger Parteien unrealistisch

Die SPD, die Grünen und auch die Linke haben in Ihren Wahlprogrammen stehen, das sie bis 2030 den gesamten Stromverbrauch in Rheinland- Pfalz mit erneuerbaren Energien abdecken wollen. Bei dem in den letzten Jahren hier installierten Mix der Erzeugeranlagen dürfte das jedoch schwierig werden. Zumal die noch am Netz befindlichen Fossilen Kraftwerke, die zurzeit auch die Grundlast zur Versorgungssicherheit übernehmen,  auch in den kommenden Jahren dem Klimaschutz zum Opfer fallen sollen.

Die derzeitige Landesregierung muss sich hier der Frage stellen, wie es nach der Beendigung der 20-jährigen Subventionen durch die Verbraucher weiter geht. Weitere Subventionen auf Kosten der Verbraucher? Das kann es doch nicht sein!

Die Windkraftanlagen auf dem Festland könnten ohne Subventionen nicht kostendeckend betrieben werden. Nach 20 Jahren Betriebszeit dürften diese auch am Ende Ihrer Lebenserwartung angekommen sein und ohne die Aussicht auf eine Rendite werden sich hierfür keine neuen Investoren finden. Bei den Solaranlagen sieht es ähnlich aus. Auch hier ist nach 20 Jahren eine Nachinvestition zu erwarten. Im privaten Bereich für den Eigenbedarf dürfte es hier weniger Probleme geben, jedoch bei den Großanlagen wird es da schon schwieriger, Investoren zu finden. Energiespeicher in Form von Akkumulatoren in Kombination mit PV- Anlagen werden sich im Bereich des Wohnungsbaus durchsetzen. Aber in produzierenden Betrieben mit höherem Energiebedarf wird das in der Größenordnung schwierig. Bei den Biogasanlagen ist bereits nach ca. 6-7 jähriger Betriebsdauer ein neuer Gasmotor fällig. Auch diese Anlagen sind ohne Subventionen nicht kostendeckend zu betreiben, selbst wenn der Betreiber die Abwärme seiner Anlage z. B. für Fernwärme vermarkten kann. Die Biogasanlagen sind die einzigen Grundlastfähigen Anlagen bei diesem Energiemix.

Dafür hat man jedoch große Naturflächen in Monokulturen verwandelt. Pumpspeicherkraftwerke wären hier zur Kompensation auch eine Lösung, es wäre aber ein Vielfaches von den jetzt vorhandenen Pumpspeicherwerken erforderlich.

Jedoch die heutige Situation im Großhandelsstrommarkt ist durch ein stark gesunkenes Strompreisniveau ein Hämins für den wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen. Daher liegen viele Pläne auf Eis. (z. B. PSKW Rio Trier; PSKW Altdorf/ BW) Der Großhandelsstrommarkt muss dringend flexibler gestaltet werden. Im Bereich Wasserkraftanlagen (in RLP nur 240 MW vorhanden) wäre noch einiges möglich. In vielen Flüssen könnten zusätzliche Staustufen mit Laufwasserkraftwerken eingebaut werden. Wenn jedoch jemand mit einem Plan für einen Stausee kommt, sind die Grünen die Ersten, die dagegen sind. Hinzu kommt bei allen Erzeugeranlagen, dass nach Ablauf der subventionierten Strompreisvergütung, die Betreiber zur Direktvermarktung ihrer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien verpflichtet werden sollen. Auch hier müssen Regularien her, sonst erleben wir einen Konkurs nach dem Anderen. Es muss eine reale Lösung her, die den Investoren langfristig Planungssicherheit gibt. Die Grünen möchten laut Wahlprogramm zudem bis 2050 den Stromverbrauch halbieren. Das ist zu schaffen, wenn es bis dahin die produzierende Industrie mit all ihren Arbeitsplätzen nicht mehr gibt.

Die zweite große Frage ist: Wie sieht es bei diesem Strommix mit der Versorgungssicherheit aus, da die jetzt noch mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke aus Gründen des Klimaschutzes auch vom Netz sollen? Wer liefert die Grundlast, wenn der Wind nicht weht und der Himmel voller Wolken ist? Selbst, wenn die neuen Stromtrassen von Nord nach Süd in einigen Jahren in Betrieb sein sollten, können wir noch nicht von einer sicheren Versorgung reden. Auch an der Ostsee gibt es flauten. Wer versorgt dann die Industrie, die Bahn, die Krankenhäuser und sonstige Großverbraucher? Viele Großindustriebetriebe, wie zum Beispiel BASF, haben zwar auch eigene fossile Kraftwerke, die jedoch nur einen geringen Teil der benötigten Energie abdecken. Die für diese Werke benötigte Leistung über 24 Stunden zu sichern, ist mit den Erneuerbaren in dieser Form nicht zu schaffen. Zum Betrieb eines sicheren Versorgungsnetzes gehört ein bisschen mehr als neue Stromtrassen. Die Netze müssen für alle neuen Betriebssituationen ausgebaut und angepasst werden. Eine große Herausforderung auch an die Schutztechnik! Oder kaufen wir zukünftig die Grundlast in Frankreich? Man möchte unabhängig von den großen Versorgern werden. Aber, wer soll denn die erforderlichen Investitionen für den Aus- und Umbau der Netze und Kraftwerke bezahlen, wenn diesen Konzernen die Mittel für Investitionen fehlen? Was hat man erreicht, wenn diese Versorgungsunternehmen von ausländischen Gas- oder Ölkonzernen übernommen werden? Ist man dann unabhängig genug?

Zur Elektromobilität:
Der Umstieg von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren auf Elektrofahrzeuge ist eine zusätzliche Herausforderung für die Netze und die Stromerzeuger. Fakt ist, dass die zurzeit auf unseren Straßen fahrenden Fahrzeuge niemals komplett durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden können. Hier wäre ein Vielfaches der Leistung im Netz und den Erzeugeranlagen erforderlich. Für kleine Fahrzeuge im Nahbereich sind Elektroautos jedoch eine starke Alternative! In Sachen Mobilität müssen noch andere Techniken zur Serienreife weiterentwickelt werden. Das Thema Energiewende geht leider durch das Thema Flüchtlinge im Wahlkampf unter. Die Wählerinnen und Wähler sollten bei ihrer Entscheidungsfindung am 13.3.2016 darüber nachdenken, welcher Partei sie eine reale Lösung der Probleme am ehesten zutrauen. Ich habe mein Berufsleben im Bereich der Energieversorgung verbracht und weis daher, im Gegensatz zu manchen Politikern, worüber ich hier schreibe.

Josef Hau, Kradenbach

Quelle: Eifelzeitung