Leserbrief aus Barweiler – Silke Koll

Liebe Eiflerinnen und Eifler,

wenn ich in verschiedenen Lexika unter dem Begriff „Eifel = listiges oder kriegerisches Bergvolk erklärt fand, musste ich immer schelmisch grinsen, fand ich diese Beschreibung des Eiflers allgemein oder auch speziell auf mich doch manchmal ziemlich zutreffend.

Dass man jedoch jetzt scheinbar den Begriff eher durch habgierig oder schlimmer noch durch naiv ersetzen sollte, darauf bin ich alles andere als stolz!

Bezugnehmend auf die Argumentation von Herrn Schürmann im Wochenspiegel, dass unsere einzigartige Landschaft naturschutztechnisch partiell ausgegrenzt werden kann, hinsichtlich eines Industrieparks in Form von mehreren Windkraftanlagen in Höhen von 205 Metern im Bereich Barweiler, Bauler, Pomster und Wiesemscheid, die durch ihren Bau demnächst unseren ,wenn auch „kulturell“ angelegten Eifelwald unwiederbringlich zerstören werden, steht in keinem Verhältnis!

Wir haben hier einfach etwas Einzigartiges mit unserer Landschaft, die wir anscheinend nicht mehr zu schätzen wissen!

Freuen wir uns denn nicht in jedem Jahr auf den Zug der Wildvögel, die den Frühling ankündigen? Mittlerweile haben wir sogar mehrere Schwarzstorchpaare, die eigentlich fast schon als ausgestorben galten. Herr Schürmann findet dieses einmalige Naturschauspiel nicht als ökonomisch wertvoll…Er meint auch, dass wir an den Lärm, den die Windräder produzieren, vom krankmachenden Infraschall mal ganz unabhängig, uns, die wir hier an der B 258 in direkter Nähe zum Nürburging wohnen, und wir somit an das Thema Lärm, gerade in den Sommermonaten, doch wohl gewohnt wären. Ja, das stimmt! Wir hier speziell in Barweiler sind Lärm gewohnt! Meine Familie wohnt quasi direkt an der Bundesstraße unweit der beiden hier ansässigen Tankstellen, wo jeder Motorsportfan am Wochenende mal zeigen kann, wo der „Kolben“ hängt und das auch drehzahltechnisch gerne mal jedem zu Ohren kommen lassen möchte! Unsere Töchter (13,16) und ich nutzen aus diesem Grund gerne jedes Wochenende und in den Ferien auch mal jeden Tag, gerade diesen Weg zur und um die Struth mit unseren Pferden, um dem permanenten Lärm zu entkommen (dabei haben wir selbst schon mehrfach Schwarzstörche, Rotmilane und Wildkatzen gesehen).

Ebenso tun es etliche Wanderer, die die neu gestalteten und ausgewiesenen Wanderwege dort nutzen, die unsere Verbandsgemeinde für erträchtliche Summen Steuergelder hat ausbauen und mit Schildern versehen lassen, die in vielen Wanderkarten eingezeichnet sind.

Gerade der neu eröffnete Wanderweg „Dörferblickschleife“ führt genau durch das Gebiet, dass in Zukunft als Industriepark „umfunktioniert“ werden soll. Eigens für diesen Wanderweg wurde eine Aussichtsplattform in Pomster gebaut mit Panoramablick, die die Tourist-Information Hocheifel-Nürburgring als eine „Attraktion“ anpreist (www.outdooractive.com).

Mal sehen, ob die Wanderroute noch als attraktiv weiterempfohlen wird, wenn erst mal 4 Windkrafträder, mit 205 Metern die Eifelhöhen „zieren“ (falls es bei der Anzahl überhaupt bleibt unter der Hand wird bereits von 8 gesprochen – alleine in Pomster, Bauler) und im Winter „Eisschlag“-Warnschilder, die Wege in einem großen Radius sperren, da dort dann Lebensgefahr droht!

Unsere Landesregierung bezeichnet unsere Eifelregion tourismustechnisch als „schlafenden Riesen“ – dann lassen wir „unseren“ Goliath mal besser weiter schlafen, wenn er denn noch kann vor lauter Schattenschlag, Diskoeffekten und Infraschall!

gez. …