Leserbrief Maggie Hegel, Kelberg

Der Schutz der Bürger vor unkontrollierbarem Ausbau von Windkraft wurde fallen gelassen.

Die VG Kelberg hat es aufgegeben, Flächen für Windräder auszuweisen. Das heißt, es können jetzt fast überall Windräder gebaut werden. Damit hat man den ungeduldigen Verpächtern von in Frage kommenden Ländereien einen großen Gefallen getan. Und davon gibt es bekanntlich mehr als genug im VG-Rat von Kelberg.Und sicherlich auch in den Gemeinderäten, die nun darüber abstimmen können, ob sie Windräder am Ort haben möchten. Wieviel Windräder und wo, liegt nun nicht mehr in der Hand der VG Kelberg. Dieses Zepter wurde mit der nun herrschenden Privilegierung abgegeben. Und der Schutz der Bürger vor unkontrolliertem und maßlosem Ausbau wurde damit fallen gelassen.

Windige Zukunft in der Vulkaneifel?

Nach einer deutlichen Verringerung der geplanten Flächen war man auf einem guten Weg. Doch nun kann man in der VG Kelberg das gleiche Panorama erwarten, das man von der VG Vordereifel oder dem Hunsrück kennt. Vielenorts sehen wir im übrigen derzeit nur den Anfang der Bebauung. Auch im Hunsrück ist ein Ende noch lange nicht in Sicht. Da können selbst die Bürgermeister und die Gemeinderäte nichts mehr stoppen, die noch anfangs dafür gestimmt hatten. Dessen müssen sich die Verantwortlichen bewusst sein.

Und das alles für den Bau und Erhalt von Schulen, Kindergärten und Straßen usw.? Es wird suggeriert, als ob wir in der VG Kelberg einen enormen Platzmangel an Schul- und Kitaplätzen hätten.  Aber vielleicht erwarten wir ja noch viele Zuwanderer oder Rückkehrer und ich weiß noch nichts davon? Aus den kleinen Gemeindekassen kommt aber kein Geld für Schulen, Kitas und Straßen! Sondern von uns Steuerzahlern, und von dort wird es auch weiterhin herkommen! Sogar mit der Reduzierung der Grundsteuer machte man Werbung. Glaubt man wirklich, der Eifelaner ist dumm genug, um für eine fragwürdige Ersparnis von 100/200 € im Jahr (!) seine Heimat zu verkaufen? Und das, während andere, private Landverpächter darauf spekulieren, sich die Taschen voll zu machen? Das wird nämlich immer so gern verschwiegen; als ob hier nur Gemeindeland zur Debatte stände.

Vom begonnenen demographischen Wandel unserer Dörfer hingegen spricht niemand mehr. Scheinbar glaubt man, Windräder vor der Haustüre locken neue Einwohner an? Dabei wurde viel gemacht in den meisten Dörfern, um sie attraktiv zu machen. Neue Straßen, Spielplätze, gepflegte Gemeindehäuser, stattliche Bushaltestellen…. Marode Dörfer sehen jedenfalls anders aus.

Bislang kamen junge Eifelaner gerne aus den Städten zurück oder gingen gar nicht erst fort. Zur Arbeit wird dann eben notfalls gependelt. Es ist ja auch nicht so, dass es hier keine Arbeitsplätze gibt. Hier kann man erschwinglich bauen und seine Kinder in ländlicher Idylle mit all ihren Vorzügen groß ziehen. Städter mit Liebe zur Natur und Ruhe kamen wegen dem einzig wertvollen, das wir zu bieten hatten, unsere intakte Landschaft und der Ruhe! Gerne kaufte man die alten Bauernhäuser, die sonst niemand mehr haben wollte und machte sie wieder bewohnbar. Das wirkte dem demographischen Wandel bislang entgegen!

Ich sehe mich eher als Heimatschützer denn als Windkraftgegner. Dass Heimatschutz dringend notwendig ist, zeigen andere Regionen. Aber vielerorts ist es bereits zu spät. Die Goldgräberstimmung hat um sich gegriffen. Man gibt seine Heimat her für eine fragwürdige Zukunft – und wie ich finde für „nen Appel und nen Ei“, bedenkt man mal die Nachteile des Ausverkaufs unseres Lebensraumes! Ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit will man groß Kasse machen. Goldrausch halt. Und für diejenigen Bürger unter uns, die sagen, der „Wald interessiert mich nicht“ oder die „doofen Vögel sind mir doch egal“, denen sei gesagt, „Naturschutz ist immer auch ein Schutz für uns Menschen!“

Während man sich um die Rodung im Regenwald am anderen Ende der Welt Sorgen macht und überhaupt um den CO2 Ausstoß, opfert man vor der eigenen Haustüre den Luftreiniger und Sauerstoffspender Wald ohne jeden Verstand. Und das nur wenige Jahre nach einem besorgniserregendem, jahrelangem Waldsterben….Der Wald dient auch als Schwamm für das Regenwasser. Vor Jahren hieß es noch, man soll seinen Parkplatz am Haus doch bitte schön nicht zupflastern, damit Wasser versickern kann. Aber heute verbaut man Reihenweise Betonklötze in Wald und Flur, größer als Einfamilienhäuser! In den Wald gehört kein Industriepark!  Unser Wald hatte übrigens trotzdem regelmäßig Einnahmen für die Gemeindekassen gebracht, durch Holzverkauf und Jagdpachten. Dies vor allem deshalb, da er intakt und gesund ist.

Würde Windkraft neutral und in Maßen geplant, nur auf wirtschaftlich vielversprechenden Standorten, mit einem wirklich menschenverträglichen Abstand von Häusern, unter Beachtung von Naturschutz und sowieso außerhalb des Waldes, dann bedürfte es auch kaum eines Widerstandes… Aber es geht hier nicht mehr um einen Beitrag für die anfangs sicherlich gut gemeinte Energiewende, sondern nur darum, wer wie schnell, wieviel Geld machen kann.

Für mich gibt es 3 einfache Gründe, „nein“ zu sagen zu diesem „Windwahn“: Zu groß, zu viele und viel zu nah!

Neuerdings werden wir Nein-Sager zu diesem Windwahn als „neureiche Eifelromantiker“ betitelt. Eifelromantiker stimmt! Denn wir wissen unsere Eifel zu schätzen! Neureich? Stimmt auch! Denn wir sind reich an Wertschätzung für unsere Eifel und vor allem auch reich geworden an neuen Erkenntnissen, was so manch Eifelaner offensichtlich nicht zu wertschätzen weiß, sobald mit Geld gewunken wird. Wertschätzung misst sich aber  nicht mit Geld.

Was werden wohl unsere Nachfahren beim Anblick von historischen Landschaftsfotos von ihren Großeltern und deren damaliger Weitsichtigkeit halten? Und was sie dabei empfinden, hunderte von Betonklötzen im Erdreich zu erben.

M. Hegel, Kelberg

Quelle: Eifelzeitung