Offener Brief an den Kanzlerkandidaten der SPD

Sehr geehrter Herr Schulz,

wir schreiben Ihnen als Arbeitsgemeinschaft Windenergie Eifel + Börde, einem parteiunabhängigen Zusammenschluss von Menschen und Bürgerinitiativen in unserer/Ihrer Region, der die Zukunft unseres Landes am Herzen liegt.
Wir haben Sie, anlässlich der Ausstellung „Routes of Liberation“ in St. Mokka als leidenschaftlich engagierten Mitbürger und Europäer erlebt. „Die größte Gefahr für den Frieden ist, dass man glaubt, er sei für immer gesichert. Frieden muss jeden Tag neu erarbeitet werden“, haben Sie an dem geschichtsträchtigen Ort in Nideggen–Schmidt, im Januar 2015, ausgeführt. Dieser Satz gilt aber nicht nur in internationalen Zusammenhang, sondern auch für den Frieden in unserem Land.

Dieser steht im Moment vor einer großen Belastungsprobe. Glaubensfragen zur Energieversorgung spalten die Bevölkerung. Die Divergenzen entzünden sich nicht an Ideologien, sondern an ganz konkreten handfesten Sachfragen, wie der Umsetzung der Energiewende.

In den ländlichen Regionen brennt das Thema der Bevölkerung unter den Nägeln. Die Klimadiskussion teilt die Menschen in unbeteiligte Bewohner von Ballungsräumen und betroffene Opfer einer massiven Umgestaltung unserer Landschaft zu großindustriellen Windstromkonzentrationszonen. Ballungsräume gegen ländliche Regionen, Heimat und Naturerhalt gegen einen energetischen Turmbau zu Babel der parteiübergreifenden Windstrom-Enthusiasten.

In Ihrem Wahlprogramm ist dazu leider nichts zu lesen. Dabei gäbe es genug gute Gründe, die Energiewende als ideologisches Schattentheater zu entlarven, bevor sich der Wirtschaftsstandort D – und mit ihm das Bruttosozialprodukt seiner Bürger – in Richtung „abwärts“ verabschiedet.An die 1.000 Bürgerinitiativen gegen diesen fiktiven Irrweg wären dankbar für einen Kandidaten, der „des Kaisers neue Kleider“ endlich klar und deutlich beim Namen nennt. Für einen kritischen Ansatz zur deutschen Energiewende der Kanzlerin gibt es viele, wissenschaftlich gut fundierte Gründe: Ein Thema, das für viele Wähler in diesem Herbst brennend aktuell ist. Leider findet die Energiewende in Ihrem Wahlprogramm bisher keinen kritischen Niederschlag.

Die schriftliche Stellungnahme des SPD-Parteivorstandes – in Ihrem Namen – beinhaltet leider, auf qualifizierte Sachaussagen, z.B. von „Vernunftkraft“ zum Thema Energiewende, nur unqualifizierte Gemeinplätze. Eine Leseprobe Ihres Parteivorstandes, Referat Nachhaltige Wirtschaft: „Auf Dauer sind Windkraft und Solarenergie die günstigste und umweltfreundlichste Form der Energieerzeugung, sie machen uns unabhängig von den endlichen Ressourcen und haben sich inzwischen zu einer führenden Technologiebranche entwickelt.“ Hier irrt die Referentin. Die Energiewende und wie sie umgesetzt wird, ist genau das alles nicht, wie Sie mit etwas Recherche selbst feststellen können.

Seit Jahren wird von den Bundesregierungen, ob Rot-Grün, Schwarz-Gelb oder der großen Koalition, die Angst vor dem anthropogenen Klimawandel benutzt, um den deutschen Bürgerinnen und Bürgern die sogenannten ökologischen oder regenerativen Energiequellen als ein wirksames Mittel gegen den Klimawandel zu verordnen. Bei der Stromerzeugung mit Windkraft würde im Gegensatz zu den fossilen Energieträgern kein CO2 entstehen. Das leuchtet zunächst ein.

Betrachtet man aber die technischen Notwendigkeiten zur permanenten Sicherstellung der Stromversorgung mit zuverlässiger Kraftwerksleistung, wandelt sich das Bild vollkommen. Dann wird klar, warum seit 17 Jahren praktisch keine nennenswerte Reduktion der CO2-Emissionen stattfindet. Laut Statistik des Umweltbundesamtes sind die deutschen CO2-Emissionen im Jahr 2016 sogar gestiegen und werden dies nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke noch stärker tun. Windkraftanlagen tragen auch nicht zur Versorgungssicherheit bei und werden dies auch bei weiterem Ausbau in Zukunft nicht können. Und zur Schaffung von günstigen Strompreisen taugen sie erst recht nicht. Das ist keine Behauptung, sondern lässt sich anhand unabhängiger Quellen belegen. Die Statistik des Wirtschaftsministeriums: LINK

27.000 Windenergieanlagen und 1,6 Millionen Solaranlagen und über eine halbe Billion Euro an Subventionen durch Stromkunden und Steuerzahler haben keine Senkung der deutschen CO2-Emissionen bewirkt und tragen somit nichts zum angestrebten Klimaschutz bei.

Das Desaster der deutschen Klimapolitik fasst die WamS am 23.7.2017 aktuell zusammen: LINK

Neben der technischen Unmöglichkeit von Wind und Solar, ohne entsprechende Speichermöglichkeiten Strom dann zu liefern, wenn er gebraucht wird, sollte Ihr Augenmerk auch auf der sozialen Komponente liegen: Die ungeheuren Kosten der Energiewende tragen zuerst die sozial schwachen Teile der Bevölkerung. Hier sollte das Thema „Gerechtigkeit“ zur Sprache kommen .
Leider ist inzwischen durch unabhängige Fachleute und Institute belegt, dass:

  1. Die Energiewende mit Windkraft- und Fotovoltaik ohne Speicher nicht realisierbar ist. Ausreichende Speicherleistung ist in Deutschland, nach heutigem Stand technisch und ökonomisch, nicht umsetzbar. Konventionelle Kraftwerke als Backup der Stromversorgung können durch den fluktuierenden Windstrom nicht ersetzt werden. Alle Windanlagen in D sichert die Energieversorgung nur zu max. 1%, in Worten einem Prozent! Siehe Studie VGB PowerTech: LINK
  2. Die Umweltbelastung und der Ressourcenverbrauch für die Errichtung von Windkraftanlagen sowie für den Netzausbau sind gigantisch. Windanlagen wirken negativ auf die Natur: Vögel und Tiere werden getötet oder in ihren Lebensräumen geschädigt, die Landschaft wird nicht nur in der Ihnen ja gut bekannten Eifel und Börde durch Windanlagen zerstört. Nach einer Lebensdauer von ca. 20 Jahren wird die Entsorgung von mehr als 27.270 Windrädern, Stand Ende 2016, zu einem gravierenden Umweltproblem. Strom aus Windanlagen ist daher keine nachhaltige Form der Energiegewinnung.
  3. Strom aus Erneuerbaren Energien ist sehr teuer. Die deutschen Strompreise liegen aktuell 41% über dem EU-Durchschnitt. Strom muss für alle bezahlbar sein. Hier gibt es auch ein Gerechtigkeitsproblem. Gerechtere Strompreise wird es nur geben, wenn auch Strom aus Windanlagen nicht mehr durch Zwangsumlagen zugunsten von Windkraftbetreibern subventioniert wird, sondern dem fairen Marktpreis auf europäischer Basis folgt. Planwirtschaftliche Maßnahmen auf dem Energiesektor sind längerfristig zum Scheitern verurteilt.
  4. Windanlagen verursachen gesundheitliche Schädigungen bei Mensch und Tier. Anwohner von Windparks berichten den Ärzten über Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Tinnitus, Herz-, Kreislauf- und Organprobleme – verursacht von Langzeitexposition durch Schall und Infraschall – sowie weitere schwerwiegende Beeinträchtigungen der Gesundheit. Einen gewissen Schutz bietet ein Abstand von 10 H zu Windanlagen, d.h. der Abstand von Windrädern zu Wohngebäuden soll mindestens dem zehnfachen Betrag der Spitzenhöhe der Windanlagen entsprechen, wie dies in Bayern Landesgesetz ist. Das Grundrecht auf Unversehrtheit darf nicht zu Gunsten der Energiepolitik ausgehebelt werden.
  5. Klima- und Energiepolitik sollten im europäischen Rahmen betrieben werden. Schon Ihr Vorgänger als SPD-Vorsitzender und Energieminister hatte festgestellt, dass Deutschland in der Energiepolitik isoliert vorgeht, dass die Energiewende an Komplexität unterschätzt worden ist und dass uns unsere Nachbarn hinsichtlich der Politik der Erneuerbaren Energie für unzurechnungsfähig halten.
    Wir möchten Sie auffordern, das Thema Energiewende, das bisher als Mittel gegen den Klimawandel dargestellt wird, im Wahlkampf anzusprechen und Ihre wie auch die Argumentation der Sozialdemokraten auf bekannten wissenschaftlichen Fakten aufzubauen. „Klimawandel“ ist ein erdgeschichtlicher Faktor, es gab ihn immer, das ist historisch zu belegen, ein „menschgemachter CO2-Faktor“ ist nur ein Teil des komplexen Klimageschehens.

Wir Bürger wollen neue Lösungsansätze der Energiepolitik, die auf physikalisch belastbaren Fakten beruhen. Wir haben genug davon, auf dem Land mit unserer Lebensqualität für den ideologischen Traum von Weltrettungsphantasten zu bezahlen. Schluss mit politisch verordneter Ideologie und alternativen Fakten.
Natürlich sind wir gern bereit, die hier gemachten Aussagen zu belegen und mit Ihnen zu diskutieren. Auf jeden Fall wünschen wir uns, dass Sie als Kanzlerkandidat das bisher vernachlässigte Thema kritisch aufgreifen, bevor sich unser Land „energiegewendet“ aus dem Konzert der Industrienationen verabschiedet. Wir würden uns freuen von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Hoffmann
Arbeitsgemeinschaft Windenergie Eifel + Börde

Kontakt:
Dr. Ralf Hoffmann
Tissenicher Straße 34
53909 Zülpich – Enzen
ralfhh@aol.com
Tel 02256 – 958295

In der AG Windenergie Eifel + Börde arbeiten Bürgerinitiativen aus der Region Eifel und Börde zusammen, u.a. BI Daubenscheid-Wiesenhart, BI Enzen, BI Füssenich-Geich, BI Juntersdorf, BI Ländchen gegen Dahlem IV, BI Mülheim-sagt-nein, BI Sturm-im-Wald Reetz, Windkraft Initiative Rureifel, Sturm-im-Wald e.V., RLP, und viele Bürger aus den Kreisen Euskirchen, Düren, der StädteRegion Aachen und der Vulkaneifel.

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