RheinZeitung: Kein Raum für Windkraftgegner in Reifferscheid

Sturm im Wald bemüht sich bislang vergebens um Ort für Infoveranstaltung in Reifferscheid.

Enttäuschung und Unverständnis herrscht bei der Adenauer Gruppe der Bürgerinitiative „Sturm im Wald“

In Reifferscheid versuchen sie eine Informationsveranstaltung zum am Ort geplanten Windpark zu organisieren. Doch das scheitert bislang an der Tatsache, dass der Initiative der Zutritt zu öffentlichen Gebäuden im Ort verwehrt wird.

Ortsbürgermeister Henneberger (Quelle)

„Bürgermeister Michael Henneberger hat mir inzwischen mehrmals ausdrücklich zu verstehen gegeben, dass unsere Bürgerinitiative in Reifferscheid nicht erwünscht sei und er uns für solche Infoabende keine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wird“, sagt der Sprecher der Adenauer Gruppe, Dirk Wenigmann. Eine Anfrage der RZ in dieser Angelegenheit blieb bislang unbeantwortet.

Eine ortsansässige Gaststätte war zunächst einverstanden mit einer solchen Veranstaltung. Drei Tage später kam jedoch die Absage. Begründung: Man wolle es sich nicht verscherzen mit dem Bürgermeister, der dringend davon abgeraten habe, die Windkraftgegner in die Gaststätte zu lassen. Auch der Jugendraum der Pfarrei bleibt der Initiative verschlossen. „Das ist eine hochpolitische Diskussion. Wir wollen nicht, dass sie in den kirchlichen Raum hineinstreut“, begründet Pfarrer Rainer Justen gegenüber der RZ die Ablehnung. Wenigmann glaubt auch noch andere Gründe zu kennen: Nicht nur sitze der Bürgermeister im Kirchenvorstand: „In Reifferscheid wird mindestens ein Windrad auf einem Grundstück der Kirche geplant“, sagt er.

Diese und andere Erkenntnisse wollen die Windkraftgegner bei ihrer Infoveranstaltung an die Bürger weitergeben. Auch wenn der Bürgermeister es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für nötig halte, selbst über den Stand der Planung zu informieren: Aus Sicht von Dirk Wenigmann gibt es Fakten genug, über die die Bürger bescheid wissen sollten. Zum Beispiel darüber, dass die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord für den Windpark Reifferscheid und den Windpark Struth mit je vier Windkraftanlagen ein gemeinsames Raumordnungsverfahren eingeleitet hat. Ab Montag liegen bis zum 28. September die Unterlagen im Rathaus der Verbandsgemeinde Adenau öffentlich aus. Bis zum 13. Oktober können sich Einwohner dazu schriftlich äußern.

Aufmerksam machen möchte die Initiative auf einen Wechsel beim Projektierer: Anstelle der Luftstrom GmbH des Leimbachers Gereon Schürmann betreibt seit Anfang des Jahres die Stromflut GmbH die Planung. In dieser hat sich Schürmann mit dem Berliner Windkraftprojektierer Saxovent zusammengetan. Kaum einer wisse, dass Schürmann Ende letzten Jahres ein weiteres Windrad beantragt habe, sagt Wenigmann. Und noch brisanter: Zwischen Reifferscheid und Winnerath plant nun auch die Firma Juwi einen Windpark. „Uns liegt dazu ein Gestattungsvertrag mit genauem Geländeplan von einen privaten Grundstücksbesitzer vor“, berichtet der Sprecher von „Sturm im Wald“. Die Hoffnung, noch einen Raum zu finden, hat er noch nicht aufgegeben.

RZ Kreis Ahrweiler vom Samstag, 26. August 2017, Seite 15

 

Author: Frieder Bluhm

0 Comments

  1. Annette Schumacher-Menningen

    Ich bin entsetzt über die Planungsvorgaben wie sie sich seit dem 28. August diesen Jahres auf der Internetseite der VG-Adenau zeigen. Das veröffentlichte Gutachten zur Verträglichkeit mit Natur und Tourismus basiert weder auf regional relevanten Befragungen noch auf aktuellen Werten; die zitierten Auswertungen basieren auf Befragungen aus 2012 in Bereichen, die von Windkraft nichts ahnen geschweige denn sehen lassen! Wären die Personen z. B. auf der Hunsrück-Höhenstraße interviewt worden oder auf der Hochfläche bei Kall oder Losheim ließe sich ein anderes Bild erwarten.
    In den vergangenen fünf Jahren hat sich jedoch die Ausbreitung der Windkraftgebiete sowie die Bewertung von Windkraft und den hierzu erforderlichen Anlagen sowie deren Nutzen in der Öffentlichkeit gewandelt. Außerdem erscheint die Befragung von Touristen unzureichend weil einseitig, denn die Bewohner vor Ort/Orten sind doch die eigentlich Betroffenen. Hier vermittelt das Gutachten den Eindruck, als sei die Zahl der “außerhalb” des Naturschutzgebietes Lebendes nicht signifikant verschieden zu der Meinung der insgesamt Befragten: Allerdings sind von 1326 Befragten im Ganzen satte 1147 (!!!) von außerhalb- wen wundert also das Ergebnis?( Ich freue mich über eine weitere Bestätigung des St. Florians-Prinzips!)
    Wenn das Gutachten zu Reifferscheid z. B. die Zustimmung des Gemeinderats und der Nutzung eines Kirchengrundstücks als hinreichend für die Akzeptanz in der Gemeinde ansieht, drängt sich dem neutralen Betrachter doch der Eindruck auf, dass hier Machtpotenziale von Institutionen missbraucht bzw. einseitig benutzt werden- zumal eine öffentliche Information nach der obigen Darstellung be- und verhindert wird! Zudem fehlen konkrete Zahlen zur Effizienz der WK- Anlagen, deren tatsächlicher Nutzen zunehmend kritisch gesehen wird.
    Eine demokratisch gegründetes und aufklärend angelegtes Verfahren sieht in meinen Augen wesentlich anders aus- und braucht entschieden mehr Informationszeit – und Raum(!) für die betroffenen Bürger!