ReinZeitung: Windräder in Reifferscheid: Pläne stoßen auf wenig Gegenliebe

So langsam kommt die Information auch der umliegenden betroffenen Gemeinden in Gang, nachdem man lange mit dieser Info hinter dem Berge gehalten hat.

Rheinzeitung, Frieder Bluhm 29.08.2017:

Seit sechs Jahren ist Reifferscheid mit seinen Windparkplänen zugange. Jetzt kommt plötzlich Unruhe auf.

In Sachen Windpark plant die Ortsgemeinde Reifferscheid eine eigene Informationsveranstaltung. Darauf macht Ortsbürgermeister Michael Henneberger aufmerksam.

Die Bürgerinitiative „Sturm im Wald“ hatte beklagt, dass ihr in Reifferscheid zwecks Durchführung einer Informationsveranstaltung der Zutritt zu öffentlichen Gebäuden verwehrt werde. Die Ortsgemeinde hatte bis dato keine Neigung gezeigt, aktiv über den Verfahrensstand zu informieren. Woher dieser Sinneswandel?

Man habe nicht unnötig die Pferde scheu machen wollen, 

sagt Henneberger. „Da wir nun seit sechs Jahren bereits mit dem Projektierer, Gereon Schürmann, auf dem Wege sind und sich bis vor kurzem, trotz vielfacher Gutachten zum Umweltschutz, Messungen und Überprüfungen eine positive Weiterentwicklung nicht absehen ließ, hatten wir bisher auf eine Bürgerinformation verzichtet“, erläutert der Ortsbürgermeister. „Da nun zumindest der Eintritt in das Raumordnungsverfahren erreicht ist, planen wir noch im September einen Informationsabend.“

Der Termin soll bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 5. September festgelegt werden.

Von einer Vermietung unseres Gemeindehauses an ,Sturm im Wald’ hatten wir abgesehen, da wir zum einen erst selbst eine Bürgerinformation durchführen wollen, zum anderen von Erfahrungen anderer Gemeinden gehört haben, bei denen diese Gruppierung teilweise sehr aggressiv solche Veranstaltungen gestört und auch mit Falschinformationen argumentiert hat,

sagt Henneberger. Zudem bestehe kein Anrecht auf die Anmietung des Gemeindehauses. Ebenso wenig hätten Personen, die nicht in Reifferscheid wohnen, ein Anrecht darauf, an einer Veranstaltung für Reifferscheider Bürger teilzunehmen, macht der Bürgermeister deutlich. Mit anderen Worten: „Sturm im Wald“ soll keinen Raum für eine eigene Veranstaltung bekommen, ist aber genauso bei der Informationsveranstaltung der Gemeinde unerwünscht.

Hellhörig wird man jetzt aber auch in den Nachbarkommunen. Peter Richrath, Ortsbürgermeister von Antweiler, will die Windparkpläne der Reifferscheider zum Thema in der Bürgermeisterdienstbesprechung machen.

In Antweiler hat man sich vor Jahren gegen Windräder in der Gemarkung ausgesprochen und ist jetzt böse überrascht, demnächst vielleicht auf 1700 Meter vom Ortsrand entfernte Windräder auf Reifferscheider Gebiet blicken zu müssen.

Wir dachten, wir hätten das Thema hinter uns

, sagt Richrath. Ein Irrtum, wie sich zeigt. Die vier geplanten Windradstandorte in Reifferscheid liegen alle auf gemeinde- oder kircheneigenen Flächen, bestätigt Henneberger.

Darauf hatten wir bei Vertragsabschluss Wert gelegt, um die versprochenen Erträge für das gesamte Gemeinwohl verwenden zu können und den Neidfaktor bei einzelnen, privaten Verpächtern möglichst auszuschließen,

sagt der Ortsbürgermeister.

Von Erträgen mag indes Projektierer Gereon Schürmann derzeit gar nicht sprechen. „Ich weiß nicht, ob sich das Projekt am Ende wirtschaftlich darstellen lässt“, verrät er im RZ-Gespräch. Bevor die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord das Raumordnungsverfahren einleitete, musste der Leimbacher einen langen Kampf mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) ausfechten. Es ging dabei um die Sichtbeziehungen zwischen Windpark und Nürburg. Schürmann musste bei den Visualisierungen mehrfach nachbessern. Die Behörde ließ erst locker nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Koblenz, wonach zwei geplante Windräder in der Nähe der Reichsburg Cochem und der Burgruine Coraidelstein zulässig sind.

Rund sechs Monate dauert das Raumordnungsverfahren; länger, wenn ein Zielabweichungsverfahren erforderlich würde. Daran schließt sich das Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz an, das eigentliche Genehmigungsverfahren. „Dann erst kommen die Fragen der Finanzierung und der Trassensicherung“, sagt Schürmann, der sich mit dem Berliner Windparkprojektierer Saxovent zusammengetan hat. Nicht zuletzt, um das langwierige und kostspielige Verfahren durchzustehen. Die letzte – und entscheidende – Hürde ist die Ausschreibung der Förderhöhe bei der Bundesnetzagentur. Aktuell liegt der durchschnittliche Zuschlagswert bei 5,7 Cent je Kilowattstunde. Unter 2 Cent wäre die Rentabilität infrage gestellt. Aufgeben will Schürmann nicht. „Solange es eine Chance gibt, das Projekt umzusetzen, werde ich es weiter verfolgen“, sagt er.